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Gemeinhin sind philosophische Artikel in Zeitungen von zweifelhafter Qualität. Dieser hier aber schildert in möglich einfacher Terminologie einen beachtlichen Umstand:

http://www.sueddeutsche.de/politik/neoliberales-herrschaftssystem-warum-heute-keine-revolution-moeglich-ist-1.2110256

These: Revolution gegen den Kapitalismus als Gesellschaftsform! (wohlunterschieden zur Wirtschaftsform) ist deshalb unmöglich, da das Heilsversprechen desselben, ähnlich dem einer Lotterie, das einzelne Subjekt so vollkommen umfängt, dass dieses keinen Begriff einer würdevollen Gemeinschaftlichkeit mehr entwickelt.

Die Idee, dass Subjekte nur mittels eng umrissener Bedingungen überhaupt anerkennswerte Subjekte im gesellschaftlichen Sinne sind, schuldet sich der vollständigen Vereinnahmung des Sozialen durch den holistischen Vermittler Geld, daher muss der Autor konstatieren: Kommunismus ist eine Ware und deshalb ist eine Revolution unmöglich.

Ganz recht! Das Soziale ist kaufbar, es knüpft sich an die opportune Vorstellung, dass jedes Subjekt im Sinne kapitalen Wirtschaftens möglichst ein Aktiva in der Kalkulation des Gesellschaftlichen bildet. Vermag Subjekt diesen produktiven Anspruch nicht zu erfüllen, wendet es sich gegen sich selbst, da die Repräsentanz jenen Wirtschaftens in keine Erscheinung tritt und auch nicht in Erscheinung treten muss, da das Subjekt für sich den absolut genommenen Sinn kapitalen Wirtschaftens eingesehen zu haben scheint – sich selbst als Quell der Sinnhaftigkeit des Ganzen wähnt. Das Subjekt schöpft Sinn aus sich, meint die Verhältnisse, denen es unterworfen ist, aus sich konsistent zu erklären, ohne dabei zu reflektieren, dass jenes Klärungsvermögen bloß das Verkennen der eigentlichen Profiteure des Ganzen meint. Aus Erklärung wird Verblendung. Aus Sinn Unsinn. Was das Subjekt für sich eingesehen und zu nutzen glaubte, ist eine ledigliche Fremdbestimmung durch mehr oder minder opakte Subjekte, deren Fähigkeit, Nutzen aus bestimmten Verhältnissen zu ziehen, die Verblendung nur befördert.

Anders als noch zu Beginn des 20. Jahrhunderts bildet sich also keine reaktive Masse, die eine Revolution tragen und nähren könnte. Widerstand bleibt wortreich, aber folgenlos, da abstrakt. Ist Hegels Herr-Knecht Dialektik noch ein Widerspiel der Kräfte des Subjektiven im Kampf, dann bleibt besagter Kampf (und folgerichtig jedwede Anerkennung) heute völlig aus, da die Subjekte in keiner Relation mehr zueinander stehen, die noch ein kämpferisches Miteinander (und Anerkennen) ermöglichen würde. Es bleibt ein zwielichtiges Nebeneinander der Subjekte, die sich weder bekämpfen (Konkurrenz im Überlebenskampf innerhalb des kapitalen Wirtschaftens kann nicht als jener Kampf um Anerkennung gelten, da er allein für das jeweilige Subjekt geführt wird), noch anerkennen, schlicht nichts voneinander wissen, als nur das bedrohliche Faktum, dass die Liste der Aktiva einer heutigen Gesellschaft begrenzt (gleich der durch sie verwalteten Ressourcen), und die Chance auf Partizipation erstritten, oder in einer Lotterie zugefallen sein muss.

Insgesamt also: Eine nachdenkenswerte These, wie ich finde und keineswegs ein Artikel, den zu verkennen möglich sein sollte.

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